Editorial und Kennzahlen

© Remo Nägeli

Editorial 2019

Zum Zeitpunkt der Publikation dieses Editorials befindet sich die Welt in einer noch nie dagewesenen Gesundheitskrise. Als nationale Rotkreuzgesellschaft engagieren wir uns mit unseren Freiwilligen und Mitarbeitenden an vorderster Front gegen das Coronavirus. Unser besonderer Status als Partner der Behörden hat sich während dieser Pandemie einmal mehr bewährt: So bauten wir die ersten Testzentren für die Bevölkerung auf. Mit neun Flügen beschafften wir aus China medizinisches Material wie Schutzmasken. Und wir mobilisierten unsere gesamten Ressourcen, um besonders hart getroffenen Familien zur Seite zu stehen.

Angesichts der momentanen Lage wirkt 2019 im Rückblick eher ruhig. Die leitenden Organe des Schweizerischen Roten Kreuzes verzeichneten im vergangenen Jahr jedoch zahlreiche Veränderungen. Ich freue mich sehr, dass ich im Juni das Präsidium des SRK übernehmen durfte. Im Rotkreuzrat kann ich nun mit Barbara Schmid-Federer und Brigitta M. Gadient auf zwei Vizepräsidentinnen zählen. In erneuerter Zusammensetzung führten wir die Erarbeitung der Strategie 2030 weiter. Zum Glück stand dieses Grossprojekt von Anfang an unter der entschlossenen und umsichtigen Leitung unseres Direktors Markus Mader.

Neben der Festlegung unserer Mission setzten wir uns mit den Werten auseinander, die unserer Arbeit zugrundeliegen. Zudem ermittelten wir die künftigen Herausforderungen und entwickelten Lösungsansätze. Wir müssen in der Lage sein, diese Herausforderungen nachhaltig anzugehen und zugleich unseren Grundsätzen treu zu bleiben.

Zur übergeordnete Strategie des Schweizerischen Roten Kreuzes mit seinen Kantonalverbänden, Rettungsorganisationen und Institutionen sowie seiner Geschäftsstelle fand eine breit angelegte Vernehmlassung statt. Alle Beteiligten wurden transparent und demokratisch in den Prozess einbezogen. Die Strategie steht im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und der Strategie der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.

Ein schwerer Schlag war der unerwartete Tod meiner Vorgängerin Annemarie Huber-Hotz, der mich und das gesamte Schweizerische Rote Kreuz tief getroffen hat. In ihren letzten Jahren hatte sie sich mit ganzem Herzen unserer Organisation gewidmet. Immer wieder suchte sie das Gespräch mit Menschen in Not und hatte ein offenes Ohr für deren tragisches Schicksal.

Sechs Monate vor Ablauf ihrer Amtszeit im Juni 2019 reiste sie nach Bangladesch, um sich im Lager in Cox’s Bazar ein Bild von der Situation der Flüchtlinge aus Myanmar zu machen. Bei ihrem Besuch ging sie auch auf die geflüchteten Frauen zu, die Unsägliches hinter sich hatten. Mit ihrem Feingefühl und ihrer tiefen Menschlichkeit, ihrem Pragmatismus und ihrer Vision für die Zukunft des Roten Kreuzes, ihren Beziehungen auf nationaler und internationaler Ebene sowie ihrem unermüdlichen Einsatz für die Rotkreuzgrundsätze bleibt sie uns allen ein Vorbild.

Über 52 000 Freiwillige haben sich im vergangenen Jahr für das Rote Kreuz engagiert. Ob in einer der vier Rettungsorganisationen oder einem der 24 Kantonalverbände: Unsere Freiwilligen leben den Grundsatz der Menschlichkeit, an dem sich unsere Arbeit orientiert. Dank dieser Solidarität und dieser Mobilisierung aller Akteure wird es uns gelingen, die Welt, in der wir leben, Schritt für Schritt besser zu machen.

Thomas Heiniger, Präsident SRK